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Denkenswertes

Die Kunst des Loslassens - Teil 1

Ein Adler fliegt durch die Bergwelt

Freiheit ist ein Begriff, der in mir viele Gefühle auslöst. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass dieses Wort eigentlich in jeder Person irgendwie Resonanz findet: Nicht umsonst begegnet uns das Thema in den Medien, von Plakatwerbung bis zum Kinofilm, immer wieder. Es wird verbunden mit Urlaub, Autos und beliebig anderen Produkten, Lottogewinnen, freier Liebe und - offensichtlich oder unterschwellig - mit vielen anderen Themen. Der Alltag erscheint uns oft als unfrei und wir fühlen uns fremdbestimmt.

Jedoch: Um Freiheit tatsächlich zu erleben ist "Loslassen von ..." meiner Erfahrung nach viel wirksamer als das "Warten auf mehr ... oder Streben nach mehr ...". (An dieser Stelle kann sich jeder Leser sein Lieblingsthema einsetzen).

Nachfolgend sind einige "Übungen", "Techniken" oder "Schritte" zum Thema Loslassen angeführt. Diese sehr hilfreiche Liste stammt von Kris Lenart (www.lenart.com), der dankenswerter der Veröffentlichung in unserem Blog zugestimmt hat, und ist der erste von zwei Teilen zu diesem Thema. Diese kleinen Übungen haben mir geholfen, von einigen Dingen innerlich loszulassen. Und das Empfinden der neu gewonnenen Freiheit hält immer noch an, und ist besonders deutlich spürbar, wenn ich mir diesen Vorgang in Erinnerung rufe.

Manchmal stehen wir auch in Lebensumständen, die es erfordern, zu Dingen, Gewohnheiten oder Personen Lebewohl zu sagen. Auf den ersten Blick bedroht das meine Routine und meinen Komfort, ist schmerzhaft und keinesfalls erstrebenswert. Anstatt jedoch dies als Bedrohung oder Verlust wahrzunehmen, lässt es sich auch als neuen Freiheitsgewinn umdeuten.

Nicht alle Punkte der Liste sind für jeden Anlass geeignet und eine Chronologie ist auch nicht zwingend notwendig; der Leser möge sich jene heraussuchen, die für seine Situation am besten passen.


1) Schmerz fühlen und eingrenzen.

Es ist sehr hilfreich, den Schmerz zu definieren und nieder zu schreiben. Was tut einem weh und was genau schmerzt? Warum schmerzt es? Durch diese „Be- oder Eingrenzung“ wird dem Schmerz die Möglichkeit genommen, sich über alles auszubreiten.

2) Bindung verstehen.

Wie kam es zur Bindung an die Person, Sache oder Gewohnheit? Schreiben Sie alle Punkte auf. Wie kamen die ganzen „Schleifchen“, „Kettchen“, „Knötchen“, „Maschen“, „Bänder“, „Ketten“ an einen? Wenn man die vielen Verbindungen öffnen möchte, muss man wissen, wie diese zustande gekommen sind.

3) Lerneffekte wahrnehmen.

Schreiben Sie alle positiven Dinge auf, die Sie aus der Situation, aus der Bindung, aus der Beziehung, aus der Einstellung gelernt haben.

4) Unzerstörbares sehen.

Werden Sie sich klar, was trotz Abbruch, Loslassen und Beziehungsende nicht verloren gehen wird. Schreiben Sie alles auf, was für die Ewigkeit unzerstörbar ist und in den positiven Erinnerungen „weiter besteht“.

5) Verletzungen erfühlen.

Es ist wichtig, sich klar zu werden, wo Sie sich verletzt haben bzw. wo Sie verletzt worden sind. Formulieren Sie die Verletzungen mit dem dazugehörigen Gefühlen und schreiben Sie diese Dinge auf.

6) Vergebung aussprechen.

Bewegen Sie sich in eine Haltung der Vergebung. Denn auch Zorn, Hass, Rache und Wut bindet Sie an einen Menschen oder an die negativen Umstände.

7) Vergessen Sie die W-Frage. Geben Sie Ihre Antworten auf die Fragen des Lebens.

Oft fragen wir uns „Warum“. Warum bin ich gekündigt worden? Warum, habe ich diese Stelle / Beförderung nicht erhalten? Aber… (Zitate von Viktor Frankl)

„Das Leben ist es, das dem Menschen Fragen stellt. Er (der Mensch) hat nicht zu fragen, er ist vielmehr der vom Leben her Befragte, der dem Leben zu antworten – das Leben zu verantworten hat. Die Antworten aber, die der Mensch gibt, können nur konkrete Antworten auf konkrete „Lebensfragen“ sein.“

"Das heißt, es ist grade umgekehrt: Nicht das Fragen ist unsere Sache, sondern das Antworten, nicht das Warum ist für uns relevant für uns, sondern das Deshalb.“

Wir haben die Freiheit, eine Antwort zu wählen: „Ich bin gekündigt worden, deshalb freut mich mein ganzes Leben nicht mehr.“ Oder zu sagen: „Ich bin gekündigt worden, deshalb gibt mir das Leben eine weitere Möglichkeit.“

"Die Fragen, die das Leben uns stellt, können wir uns nicht aussuchen, aber die Antworten, die wir darauf geben, sind Zeugnis unserer ureigensten geistigen Haltung, gleichsam „Fingerabdrücke“ unseres Ichs.“ (Viktor Frankl)

Definieren Sie Ihre Antwort auf die spezifische Fragestellung des Loslassens: "...., deshalb ...“

8) Loslassen als Grundprinzip des Lebens verstehen.

Wir können nichts mit Gewalt in diesem Leben halten oder bewahren. Alles ist für eine gewisse Zeit ein Geschenk und eine Leihgabe. Wir wissen tief in unserem Inneren, dass wir diese Leihgaben wieder zurückgeben müssen – sogar unser eigenes Leben, denn von ihm müssen wir uns ja auch einmal verabschieden.

Folgender Gedankenganz ist von Dr. Elisabeth Lukas inspiriert. Wenn Sie zum Beispiel ein Haus bauen, hilft das Bewusstsein, dass Sie darin einige Jahre leben dürfen, dann dieses Haus aber in andere Hände übergehen dürfen oder es vielleicht sogar abreißen werden, weil es dann nicht mehr modern ist; in jedem Fall können Sie es ganz bestimmt nicht über eine gewisse Zeitspanne hinaus mitnehmen. Sie dürfen es jedoch einige Zeit nutzen und sich daran freuen, um es zu gegebener Zeit wieder "zurückzugeben". Sie wählen, in welcher Haltung diese Rückgabe erfolgt: In Dankbarkeit für das Erlebte oder in schwieriger und scherzhafter Umklammerung. So ist es geradezu kontraproduktiv, sich an Menschen oder an Dinge zu klammern. Stattdessen stehen wir vor der schönen Herausforderung, souverän, locker und gelassen durchs Leben gehen, mit mehr Dankbarkeit, Wertschätzung und Freude, und zwar dann, wenn der Anlass zur Freude da ist.

Anerkennen Sie daher die Freiheit des anderen und akzeptieren Sie seinen Willen. Erkennen Sie vor allem die Freiheit in dieser Haltung. Anerkennen Sie, dass es kein „Recht“ auf etwas gibt.


Das ursprüngliche Dokument wurde von mir für diese Veröffentlichung sprachlich überarbeitet.

Christian Macher ist Pädagoge für die Volksschule, IT-Berater, Web-Enthusiast, Dipl. Lebens- und Sozialberater in Ausbildung und unter Supervision.
Die Ausbildung zum Lebens- und Sozialberater mit Schwerpunkt Logotherapie hat ihn befreit, auch in frustierenden Situationen einen Perspektivenwechsel vorzunehmen.
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